Italien besitzt Hunderte von Pastasorten. Viele Namen beschreiben ihre Form, andere erinnern an Werkzeuge, Tiere oder historische Persönlichkeiten. Manche klingen jedoch so kurios, dass sie bei Nicht-Italienern regelmäßig für Verwunderung sorgen. Wer würde freiwillig „Priesterwürger“, „kleine Regenwürmer“ oder „Wolfsaugen“ bestellen?
Hinter den ungewöhnlichen Bezeichnungen verbergen sich oft jahrhundertealte Traditionen, regionale Dialekte und humorvolle Geschichten. Hier sind einige der seltsamsten und interessantesten Pastanamen Italiens.
Strozzapreti – der Priesterwürger
Kaum ein Pastaname sorgt für mehr Aufmerksamkeit als Strozzapreti. Wörtlich übersetzt bedeutet der Name „Priesterwürger“.
Die genaue Herkunft ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Einer Legende zufolge waren die Geistlichen früher für ihren guten Appetit bekannt. Die Bevölkerung scherzte, die Priester würden die Pasta so hastig verschlingen, dass sie daran ersticken könnten. Eine andere Erklärung verweist auf die Spannungen zwischen Kirche und Bevölkerung in Teilen Mittel- und Norditaliens. Der Name könnte als satirischer Seitenhieb auf den Klerus entstanden sein.
Die länglichen, gedrehten Nudeln sind heute vor allem in der Emilia-Romagna, in Umbrien und den Marken verbreitet.
Strangugliaprieviti – Kalabriens Priesterwürger
Noch drastischer klingt die kalabrische Variante: Strangugliaprieviti. Der Dialektname bedeutet ebenfalls „Priesterwürger“.
Diese traditionelle Pasta aus Kalabrien wird meist aus einem einfachen Teig aus Hartweizen und Wasser hergestellt. Der Name zeigt, wie weit die Geschichte des „Priesterwürgens“ in Italien verbreitet war. Obwohl die genaue Herkunft unbekannt bleibt, gehört die Bezeichnung zu den eindrucksvollsten der italienischen Pastakultur.
Orecchiette – kleine Ohren
Die berühmten Orecchiette aus Apulien verdanken ihren Namen ihrer Form. „Orecchia“ bedeutet Ohr, „Orecchiette“ folglich „kleine Öhrchen“.
Was zunächst etwas seltsam klingt, ist in Italien völlig normal. Viele Pastasorten werden nach Gegenständen oder Körperteilen benannt, die ihrer Form ähneln. Die kleinen Mulden eignen sich hervorragend, um Saucen aufzunehmen.
Linguine – kleine Zungen
Auch Linguine gehören zu den Pastasorten mit anatomischem Bezug. Der Name leitet sich von „lingua“ ab, dem italienischen Wort für Zunge.
Die flachen, schmalen Nudeln erinnern tatsächlich an kleine Zungen und werden besonders gerne mit Fischgerichten oder Pesto serviert.
Capelli d’Angelo – Engelshaar
Deutlich poetischer klingt Capelli d’Angelo. Übersetzt bedeutet der Name „Engelshaar“.
Die extrem dünnen Nudeln wirken beinahe so fein wie Haare und gehören zu den zartesten Pastasorten Italiens. Häufig werden sie für leichte Suppen oder feine Brühen verwendet.
Lombrichelli – kleine Regenwürmer
Nicht jeder Name macht sofort Appetit. Die aus Latium stammenden Lombrichelli verdanken ihren Namen ihrer wurmähnlichen Form.
„Lombrico“ bedeutet Regenwurm, Lombrichelli also „kleine Regenwürmer“. Trotz des gewöhnungsbedürftigen Namens handelt es sich um eine beliebte traditionelle Pasta, die oft mit kräftigen Saucen serviert wird.
Occhi di Lupo – Wolfsaugen
„Occhi di Lupo“ bedeutet „Wolfsaugen“.
Die kleinen, ovalen Nudeln besitzen in der Mitte eine Öffnung, die an ein Auge erinnert. Wie bei vielen regionalen Pastasorten existieren verschiedene Varianten und lokale Interpretationen des Namens.
Farfalle – Schmetterlinge
Die weltbekannten Farfalle gehören zu den schönsten Beispielen für bildhafte Pastanamen.
Durch ihre typische Form erinnern sie an Schmetterlinge mit ausgebreiteten Flügeln. In Deutschland werden sie häufig als „Schmetterlingsnudeln“ bezeichnet.
Campanelle – kleine Glocken
Campanelle bedeutet „Glöckchen“.
Die gerüschten Ränder und die trichterförmige Gestalt erinnern tatsächlich an kleine Glocken. Die elegante Form macht diese Pasta besonders beliebt für festliche Gerichte.
Radiatori – Heizkörper auf dem Teller
Manche Namen stammen aus überraschend modernen Quellen. Radiatori wurden nach den gusseisernen Heizkörpern benannt, die Anfang des 20. Jahrhunderts in vielen italienischen Haushalten Einzug hielten.
Die geriffelte Form bietet viel Oberfläche und eignet sich hervorragend für dicke Saucen.
Ruote – Räder
Ruote bedeutet schlicht „Räder“.
Die kleinen Nudeln sehen aus wie Wagen- oder Speichenräder und gehören zu den beliebtesten Pastasorten für Kindergerichte und Nudelsalate.
Cencioni – Lumpen und Fetzen
Der Name Cencioni stammt vom italienischen Wort „cencio“, das so viel wie Lappen, Lumpen oder Stofffetzen bedeutet.
Die großen, unregelmäßigen Teigstücke wirken tatsächlich wie zufällig zerrissene Stoffstücke und verleihen dieser toskanischen Spezialität ihren charakteristischen Namen.
Pappardelle – zum Verschlingen gemacht
Die breiten Bandnudeln aus der Toskana verdanken ihren Namen dem Verb „pappare“.
Dieses bedeutet so viel wie schlingen, verschlingen oder genüsslich verdrücken. Pappardelle sind daher gewissermaßen die „Zum-Verschlingen-Nudeln“ Italiens.
Mafaldine – eine Pasta für die Prinzessin
Nicht alle Pastanamen beziehen sich auf Formen. Mafaldine wurden nach Prinzessin Mafalda von Savoyen benannt.
Die eleganten, gewellten Bandnudeln galten als besonders vornehm und erinnern bis heute an die italienische Monarchie.
Warum italienische Pasta so ungewöhnliche Namen trägt
Die Vielfalt der Pastanamen spiegelt die kulturelle Vielfalt Italiens wider. Viele Bezeichnungen entstanden in regionalen Dialekten, andere beschreiben die Form der Nudeln oder erinnern an Tiere, Gegenstände und historische Personen. Oft spielte auch der typisch italienische Humor eine Rolle.
Gerade diese Geschichten machen Pasta zu weit mehr als nur einem Lebensmittel. Hinter jeder Form steckt ein Stück Regionalgeschichte, das oft über Jahrhunderte hinweg überliefert wurde.
Kurz gefasst
Ob Priesterwürger, Engelshaar, kleine Ohren oder Regenwürmer – Italiens Pastanamen sind ebenso vielfältig wie die Nudeln selbst. Sie erzählen von Traditionen, Dialekten, Legenden und einem bemerkenswerten Sinn für Humor. Wer das nächste Mal eine Portion Strozzapreti oder Orecchiette genießt, hat damit nicht nur Pasta auf dem Teller, sondern auch ein kleines Stück italienischer Kulturgeschichte.
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